Thüringen erlebt das jährliche Zeitwunder
Wenn die Uhren Purzelbäume schlagen und Sekunden sich weigern, gehorchsam zu ticken
Thüringen – In der Nacht zum 29. März 2026, Punkt zwei Uhr, beginnt wieder das große nationale Schieben, Rucken und Zucken: die Umstellung auf Sommerzeit. Während der Rest der Welt gelangweilt die Zeiger nachstellt, verwandelt sich Thüringen in ein Labor der Zeitverwirrung – halb magisch, halb mechanisch, stets ein wenig zu spät.

In Weimar sollen die Turmglocken bereits jetzt unruhig vibrieren, als wüssten sie, was ihnen bevorsteht. Jenas Uhrenforscherkollektiv für „Temporale Elastik“ (TET) hat den Auftrag, das jährliche Phänomen zu dokumentieren. „Theoretisch“, erklärt eine Sprecherin, „soll die Zeit nach vorne wandern. In der Praxis stolpert sie meist, fällt kurz hin und rappelt sich dann kichernd wieder auf.“
In Ilmenau wurde im Vorjahr sogar eine Stunde auf einem Marktplatzbrunnen entdeckt – triefend nass, aber fröhlich. „Sie hatte sich verirrt“, berichtet ein Zeuge. „Wir haben sie mit einem Handtuch und einem Kalender wieder eingefangen.“
Auch die Natur reagiert sensibel auf das Zeitmanöver: Hähne verlieren kurzzeitig ihr Taktgefühl, und in manchen Tälern des Thüringer Walds verfängt sich die Morgenröte mitten in der Nacht, unfähig zu erkennen, ob sie zu früh oder zu spät dran ist.
Aber Thüringer Gemüt, wie man es kennt: Am Morgen danach stellen sich alle wieder brav auf den gewohnten Trott ein. Nur das Gefühl bleibt, dass die Welt für einen Wimpernschlag ein wenig schräg stand – als hätte sie sich gedehnt, um Platz zu schaffen für eine Stunde, die eigentlich gar nicht da ist.
Infobox: So „stellt“ man die Zeit um
Schritt für Schritt, wissenschaftlich unbewiesen

- Vorbereitung: Eine Tasse starker Kaffee, eine Uhr (am besten willig) und ein Hauch Abenteuerlust.
- Beobachtung: Warten, bis die Zeiger misstrauisch werden – das erkennt man an einem leichten Zittern im Minutenrad.
- Der Eingriff: Entschlossen aber sanft an der Krone drehen, bis die Zeit sich kurz verweigert und dann ergeben nachgibt.
- Korrektur nach Gehör: Wenn der Sekundenzeiger ein zufriedenes tack-tack von sich gibt, ist der Übergang gelungen.
- Nachsorge: Die Uhr loben, den Kaffee austrinken, tief durchatmen. Keine Panik, falls alles für einen Augenblick doppelt erscheint – das ist nur die Vergangenheit, die neugierig zuschaut.
Hinweis aus dem Institut für Zeitphysik Jena: Die Umstellung sollte stets im Schutze der Dunkelheit erfolgen, da sich Lichtpartikel sonst über die neue Stundenreihenfolge beschweren könnten.

